Starkregen
Die Klimaveränderungen führen zunehmend zu mehr Extremwetterlagen – darunter Starkregen. Diese Starkregenereignisse treten oftmals ohne nennenswerte Vorwarnzeiten auf. Auch der Ort, wo sich das Regenereignis ergießt, ist oft erst kurz vorher zu lokalisieren. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu einem Fluss-Hochwasser (z.B. der Lippe), bei dem Stunden vorher Vorwarnzeiten bekannt sind und so entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden können. Bei Starkregenereignissen können solche Wassermassen vom Himmel stürzen, dass die städtische Infrastruktur zum Schutz vor Überflutungen (z.B. Deiche, Kanalisationsanlagen, Pumpwerke, Rückhaltebecken etc.) diesen Mengen nicht mehr gewachsen sind.
Immer häufiger kommt es in Lünen, wie auch in anderen Städten Deutschlands, zu Starkregenereignissen. Allein in den letzten fünf Jahren gab es in Lünen sechs Starkregenereignisse mit sehr hoher Intensität. Im Jahre 2021 kam es innerhalb von zehn Tagen zu zwei weiteren Ereignissen, welche in dieser Form noch nie in Lünen aufgetreten sind.
Neben den öffentlichen Entwässerungsbetrieben stehen auch die Grundstücks- bzw. Hausbesitzer mit in der Verantwortung, bauliche Schutzmaßnahmen für die eigenen vier Wände zu ergreifen.
Persönlich für Sie da

Matthias Krölls
Sachgebietsleitung Grundstücksentwässerung, Kanalinformationssystem
Was tut der SAL zum Schutz der Bürger?
Informationsvorsorge
Auf Grundlage der im Jahre 2021 aktualisierten Starkregengefahrenkarte Lünens, hat der SAL im Jahr 2022 eine Informationskampagne durchgeführt. Eine umfangreiche Zeitungskampagne mit vielen Infos, Interviews und Tipps wurden veröffentlicht. Im Zeitraum Juni bis August 2022 wurden ca. 7000 besonders gefährdete Objekte angeschrieben und auf Ihre Überflutungsgefährdung hingewiesen. Zudem wurden den Betroffenen kostenlose Beratungen zum Rückstau- und Überflutungsschutz angeboten. Im Nachgang zu den versendeten Anschreiben wurden in den Ortsteilen Informationsveranstaltungen durchgeführt, bei denen die Bürger die Möglichkeit hatten, sich über die Gefährdungen in den Ortsteilen zu informieren.
Des Weiteren ist es geplant die Starkregengefahrenkarte des SAL (Extremregenszenario) online über das Geoportal der Stadt Lünen zu veröffentlichen.
Maßnahmen am öffentlichen Netz
Neben den vorbeugenden Maßnahmen am bestehenden Abwassernetz untersucht der SAL auch zahlreiche Möglichkeiten zur Verbesserung des Entwässerungssystems zum Zwecke der Starkregenvorsorge. Die Grundlage zur Ermittlung solcher Maßnahmen sind die Berechnungen und Ergebnisse des Generalentwässerungsplanes Lünens. Darüber hinaus können weitere Machbarkeitsstudien zur detaillierten Wirksamkeitsanalyse dienen.
Der Generalentwässerungsplan Lünens wird derzeit im gesamten Stadtgebiet neu aufgestellt. In Lünen Süd ist darüber hinaus eine Machbarkeitsstudie zu einigen potenziellen Starkregenpräventionsmaßnahmen erstellt worden. Einige der daraus resultierenden Maßnahmen wurden bereits umgesetzt, andere sind in Planung und werden zukünftig umgesetzt.
Die wichtigsten Regeln im Starkregen-Notfall auf einen Blick
Wenn Sie zuhause sind:
- Oberste Regel: Zuhause bleiben!
- Versuchen Sie daher Ihr Zuhause nur in Notfällen zu verlassen. Zuhause können Sie weitere Vorkehrungen treffen, um sich zu schützen
- Halten Sie sich nach Möglichkeit im Erdgeschoß auf. Meiden Sie Kellerräume, da diese sehr schnell von Wasser geflutet und zu lebensbedrohlichen Fallen werden können. Bedenken Sie hierbei auch das der Wasserstand im Keller bereits Elektrogeräte erreicht haben kann und somit die Gefahr eines Stromschlags besteht
- Folgen Sie den Anweisungen der Rettungskräfte und informieren Sie sich ggf. über Radio und Warn-Apps. Beachten Sie dabei auch den Flyer der Feuerwehr Lünen zum Thema Warnsignale
Wenn Sie sich im Freien befinden:
- Suchen Sie nach Möglichkeit bei Starkregen und Gewitter Schutz in einem Gebäude
Meiden Sie bei Starkregen den Aufenthalt in Mulden, Senken oder Unterführungen - Gehen Sie nicht durch große Pfützen, da sich unter dem Wasser offene Kanalschächte befinden. Es besteht die Gefahr durch den Ablaufsog in einen Schacht reingezogen zu werden
- Öffnen Sie niemals Schächte oder Abläufe, um Wasser ablaufen zu lassen. Es besteht die Gefahr durch den Ablaufsog in einen Schacht reingezogen zu werden
- Meiden Sie ungeschützte Orte, an denen Sie von Hagel oder von vom Sturm mitgerissenen Gegenständen getroffen werden könnten
- Suchen Sie Schutz in einem Gebäude und meiden Sie bei starken Stürmen Hallen mit großen Deckenspannweiten
Bereits niedrige Wasserstände des abfließenden Wassers sind in der Lage Menschen mitzureißen. Darüber hinaus besteht eine Gefahr durch in Gebäude eindringendes Wasser. Ob über zurückstauendem Abwasser aus der Kanalisation oder durch oberflächig in Fenster, Türen oder sonstige Gebäudeöffnungen eindringendes Wasser besteht die Gefahr des Ertrinkens im eigenen Haus. Sehen Sie dazu den folgenden Film.
https://www.youtube.com/watch?v=VqY0-zCHx7Q
Wenn Sie sich im Auto befinden:
- Im Auto sind Sie bei Starkregen und Gewitter sicher. Bleiben Sie also im Fahrzeug, aber berühren Sie keine blanken Metallteile
- Fahren Sie nicht durch große Wasserpfützen. Hier besteht die Gefahr, dass Kanaldeckel nicht mehr an Ort und Stelle sitzen und Sie in die Kanalöffnung fahren
- Vermeiden Sie durch volllaufende Senken zu fahren. Es besteht die Gefahr des Ertrinkens
FAQ Starkregen
Fragen und Antworten zu Starkregen und Sturzfluten
Was ist ein Starkregen?
Es wird von Starkregen gesprochen, wenn in kurzer Zeit außergewöhnlich große Niederschlagsmengen auftreten.
Wie kommt es zu Starkregen?
Entscheidende Einflussfaktoren für Starkregen sind die Lufttemperatur, die Windströmungen und die Windstärke. Wenn an heißen Tagen die Temperatur der Luft ansteigt, wird mehr Wasserdampf in der Atmosphäre aufgenommen und durch Temperaturdifferenzen entstehen starke, vertikale Winde. Diese bringen die feuchte Luft in höhere, kühle Zonen. Dort kondensiert der Wasserdampf an kleinen Staubpartikeln oder anderen Teilchen. Die Tropfen nehmen, oft durch Kollision mit anderen Tropfen, solange an Masse zu, bis ihr Gewicht die Kraft der Aufwinde übersteigen. Durch die starken vertikalen Windströmungen bilden sich größere Tropfen als normalerweise. Diese ergießen sich plötzlich und kaum berechenbar über relativ kleinen Gebieten.
Warum ist Starkregen eine so große Gefahr?
Bei Starkregen geht es um große Wassermengen, er ist kaum konkret vorherzusagen, dauert nur kurz und betrifft meist Gebiete von wenigen Quadratkilometern. Dort allerdings kommt es oft zu hohen Schäden. Denn der Boden, die Kanalisation und die Grundstücksentwässerung können die Wassermassen nicht aufnehmen. Nach langen Trockenzeiten oder auch auf versiegelten Böden fließt das Wasser großflächig, ohne zu versickern ab und überflutet tiefer liegende Bereiche. Kleine Gewässer schwellen stark an, zusätzlich verschärft das von den Hängen fließende Wasser die Situation. Die Folge: Siedlungsgebiete werden überflutet und große Schäden an Wohn- und Gewerbegebäuden sowie der städtischen Infrastruktur können durch diese Sturzfluten entstehen.
Wären größer dimensionierte Kanäle die Lösung für das Starkregenproblem?
Deutsche Kanalisationen sind für normale Niederschläge ausgelegt. Trotz des Klimawandels und der damit verbundenen Zunahme von Starkregenereignissen sowie ihren Schäden stünde die flächendeckende extreme Vergrößerung in keinem wirtschaftlichen und nachhaltigen Verhältnis. Außerdem wäre es nur eine Teillösung, denn die Abflüsse von Dächern und Straßen sind schon überlastet, bevor die Wassermassen den Kanal erreichen. Und größere Kanäle führen lediglich zu einer Verlagerung der Wassermassen– auch der größte Kanal endet irgendwann in einem Gewässer – im schlimmsten Fall werden dann die tiefer liegenden Stadtteile oder Orte überflutet.
Lebe ich in einem besonders gefährdeten Bereich?
Abhängig von der Topografie sind bestimmte Wohnlagen stärker von Überflutungen bedroht als andere. Gefährdet sind vor allem Gebäude in Senken, der Nähe von Gewässern oder in Hanglagen. Generell besteht ein hohes Überflutungsrisiko für alle Grundstücke ohne Rückstausicherung, ohne ausgeprägte Bordsteinkante, in Tiefgaragen und Kellerräumen sowie für hoch versiegelte Gewerbe- und Industrieflächen. Zur Abschätzung, ob Ihr Gebäude gefährdet ist, haben Sie zukünftig die Möglichkeit in unsere Starkregengefahrenkarte zu schauen. Zur Starkregengefahrenkarte.
Welche Schäden können an Gebäuden entstehen?
Grundsätzlich kann das Wasser über drei Wege in Ihr Gebäude eindringen: Oberirdisch durch Lichtschächte, bodennahe Fenster und Türen, über das Kanalsystem und durch einen steigenden Grundwasserspiegel. Besonders betroffen sind neben Kellerräumen und Tiefgaragen Souterrainwohnungen, Gärten, Terrassen und – in Senken- das Erdgeschoss sowie Gebäude in Hanglage. Sind Kellerräume nicht gegen Rückstau aus der Kanalisation gesichert, können Sie durch austretendes Wasser volllaufen. Neben der Beschädigung von Sachgegenständen in den betroffenen Räumen leidet die Gebäudesubstanz durch Nässe, Schimmel und im Wasser enthaltene Verunreinigungen.
Wie kann ich mein Gebäude bzw. meine Wohnung gegen die Folgen von Starkregenereignissen absichern?
Grundsätzlich sollte allen Maßnahmen eine gründliche Analyse der Gefährdungslage und möglicher Schäden vorausgehen. Im Anschluss daran verspricht ein sinnvoll kombiniertes Maßnahmenpaket die beste Absicherung. Dabei sollte Sie ein Fachmann beraten. Der SAL bietet eine solche Beratung kostenlos an. Folgende bauliche Maßnahmen können sinnvoll sein:
- Bodensenken, die das Wasser auf dem Grundstück verteilen, sodass es großflächig versickern kann
- Barrieresysteme wie z. B. Bodenschwellen, insbesondere bei Gebäuden, die in Senken liegen
- Mobile Schutzelemente (Barrieren, Fensterklappen)
- Aufkantungen an Lichtschächten und Kellereingängen
- Horizontale wie vertikale Abdichtung des Kellers sowie Dränung
- Bauliche Maßnahmen („Weiße Wanne“) u.a. gegen drückendes Grundwasser
- Überprüfung von Rohrdurchführungen
- Regelmäßige Reinigung der Regenrinnen und -rohre
- Rückstausicherung gegen aus der Kanalisation eindringendes Wasser
Darüber hinaus können Sie Ihren Schaden bei einem Wassereintritt reduzieren, wenn Sie die Kellerräume entsprechend einrichten und nutzen:
- Den Keller nicht als Wohnraum ausstatten und dort keine wertvollen / empfindlichen Gegenstände lagern
- Wasserbeständige Materialien verwenden wie Fliesen; keine Tapeten
- Heizungsanlage und elektrische Installation in oberirdischen Geschossen
- Elektrische Leitungen an der Kellerdecke verlegen
- Heizöltanks gegen Wassereintritt und Aufschwimmen absichern
- Abschluss einer Elementarschadenversicherung: darauf achten, dass Starkregen und Hochwasser abgedeckt sind!
Eine Übersicht möglicher Präventionsmaßnahmen finden Sie im folgenden hier.
Welche Maßnahmen kann die Kommune ergreifen?
- Neben der Planung, dem Betrieb und der Wartung des Kanalnetzes kann sich die Kommune über verschiedene Maßnahmen auf Starkregenereignisse vorbereiten und einiges für die kommunale Überflutungsvorsorge tun: bauleitplanerisch, städtebaulich und ingenieurtechnisch als auch organisatorisch und administrativ. Dabei sollten u. a. folgende Ziele verfolgt werden:
- Oberflächenwasser in der Fläche zurückzuhalten
- unvermeidbares Oberflächenwasser im Straßenraum geordnet und schadensarm abzuleiten oder zwischenzuspeichern (durch die multifunktionale Nutzung von Flächen, z. B. kann ein Park im Starkregenfall als Wasserrückhaltebereich dienen)
- Oberflächenwasser gezielt Freiflächen zum Rückhalt zuzuführen
- Renaturierung versiegelter Flächen, Schaffung von Grünanlagen und natürlichen Böden, Erosion verhindernde Bepflanzung
- Ökologische Aufwertung und Erhalt von Grünzonen, Biotopen und Waldflächen als Vorsorgebeitrag zur Retention von Starkregen, Ausgleichsflächenmanagement und Erosionsschutz
- eine schadlose Ableitung in Gewässern und Entwässerungsgräben zu ermöglichen
- die frühzeitige Einbeziehung der Überflutungsvorsorge bei der Bauleitplanung und bei Baugenehmigungen vorzusehen
- eine organisatorische Struktur für die ressortübergreifende Koordinierung zu schaffen
- Alarm- und Einsatzpläne aufzustellen
- die Bürger über die bestehenden Risiken und ihre Eigenverantwortung zu informieren und bezüglich der Eigenvorsorge zu beraten
- Aufklärung von Landwirten, Forstbediensteten und anderen Gruppen
- ein ganzheitlich ausgerichtetes Risiko-Management für urbane Sturzfluten zu etablieren
- Engagement bei Klimaschutz- und Anpassungsmaßnahmen
- Förderung von naturnaher Regenwasserbewirtschaftung und Maßnahmen, die vor den Folgen von Starkregen schützen
- Bürgerliches Engagement in diesem Bereich fördern
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Leitfaden zum Überflutungsnachweis auf Privatgrundstücken
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